09.08.26 –
„Was macht ihr denn so am Wochenende?“, fragt man sich im Kollegenkreis. „Wir machen Wahlkampf-Urlaub“, sagen wir – und ernten erstaunte Blicke. „Warum? Bekommt ihr das bezahlt?“ „Wow, viel Erfolg, tapfer...“ Das sind nur einige der Reaktionen, die wir bekommen. Deshalb heute ein paar Zeilen dazu, was uns nach Sachsen-Anhalt getrieben hat.
Der Entschluss
Der Gedanke an eine mögliche AfD-Regierung in einem Bundesland jagt uns einen kalten Schauer über den Rücken. Schon länger hatten wir daher überlegt, grüne Freundinnen und Freunde vor Ort zu unterstützen. Da kam der Aufruf der Landesverbände Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wie gerufen: „Wahlkampf-Urlaub“ – mit der Möglichkeit, sogar bei Gastfamilien zu übernachten.
Die Entscheidung fiel in wenigen Minuten. Ein freies Wochenende gesucht, Hotel und Zug gebucht – ab ging es nach Magdeburg.
Wir wurden durch ein Webinar der Landesverbände perfekt vorbereitet, bei dem sich auch die beiden Spitzenkandidatinnen Zeit genommen haben. An zwei Terminen waren jeweils rund 450 Teilnehmende dabei – so viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter geben ordentlich Rückenwind. Und das Gefühl, vor Ort freudig erwartet zu werden, tut gut.
Ankunft und erste Einsätze
Kaum angekommen und die Tasche abgestellt, ging es auch schon los: in die Kreisgeschäftsstelle, Flyer in Einleger legen. Herzlicher Empfang durch die Grünen vor Ort – und gleich lernten wir andere Freiwillige kennen, die eigens aus der Nähe von München angereist waren, um gemeinsam die Wahlstände vorzubereiten.
Dann zusammen los in ein Stadtviertel, das man noch nicht kennt. Die Flyer-Bezirke waren professionell über eine App aufgeteilt, und los ging's. So lernt man Land und Leute ganz schnell kennen: Wie lebt man hier? Fühlt man sich willkommen? Gibt es Berührungsängste?
Nach etwa zwei Stunden trafen wir uns wieder, tauschten uns aus und ließen den Tag ausklingen. Privat genossen wir noch einen schönen Abend an der Elbe – auch wenn der Anblick nachdenklich stimmte: Der Pegelstand lag bei 41 cm, 4 cm weniger als der bisher niedrigste bekannte Stand von 2019. Das zu lesen ist das eine – es mit eigenen Augen zu sehen etwas ganz anderes. Kein Schiff fuhr mehr – auch dies und die negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft waren schon Gesprächsthema in der Straßenbahn.
Am Wahlstand
Am Samstag ging es dann an den Wahlstand in der Innenstadt. Neue Freiwillige, darunter auch welche aus Berlin, kamen dazu – kurzes Kennenlernen, Material sichten, und dann: Gespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern.
Unsere Hauptbotschaften
Zwischendurch immer wieder kurze Gespräche mit den Grünen vor Ort – man spürt den gemeinsamen Antrieb. Wir können positive Erfahrungen aus unserem baden-württembergischen Wahlkampfendspurt einfließen lassen.
Eine überraschende Frage
Eine Frage hat uns besonders überrascht: Sind die Menschen in Sachsen-Anhalt wirklich besonders unfreundlich? Nein, diesen Eindruck hatten wir überhaupt nicht. Eine ähnliche Mischung wie überall – sehr viele freundliche Menschen, auch wenn nicht alle dieselben Ideen teilen. Offenheit für kurze Gespräche, manchmal ein Weitergehen, weil keine Zeit ist, auch mal eine knappe ablehnende Bemerkung. Am meisten überraschte die Menschen, wenn wir erzählten, dass wir aus der Nähe von Heidelberg kommen – das kam immer positiv an. Auch mit Touristinnen und Touristen kamen wir ins Gespräch: Demokratie ist schließlich kein Thema, das nur ein Bundesland betrifft.
Solidarität auf dem Platz
Nebenan war ein Stand von Amnesty International mit sehr vielen engagierten Menschen, die eine Woche lang mit dem Rad durchs Land touren – Respekt! Von ihnen haben wir ein kleines Heft mit kommentierten AfD-Hass-Zitaten mitgenommen – gutes Material für unsere erste PRÜF-Demo, die als Nächstes anstand. (Anmerkung: PRÜF steht für „Prüfung Rettet Übrigens Freiheit!“, und der Verein hat nur eine Forderung: Alle Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, sollen durch das Bundesverfassungsgericht überprüft werden.)
Zahlreiche unterschiedliche Menschen versammelten sich dabei vor dem Bahnhof. Nach kurzen Ansagen begann die gut organisierte Veranstaltung – überparteilich, für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der Zug führte durch die Stadt zum Alten Markt, wo sich unterwegs immer wieder spontan Zuschauerinnen und Zuschauer anschlossen.
Der Abschluss auf dem Alten Markt hielt einige Überraschungen bereit:
Was bleibt
--> Die Gewissheit, etwas Wichtiges getan zu haben.
--> Die Freude des Austausches mit vielen positiven Menschen.
--> Das Gefühl, nicht allein zu sein, sondern Teil einer stabilen und aktiven Gemeinschaft.
--> Die Hoffnung, am 6. September 2026 eine demokratische Regierung bilden zu können.
Fotos © Birgit und Jürgen Wagner
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Unser Landesparteitag findet am 17. und 18. Oktober in Offenburg statt.
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